Es kommt so, wie es kommen soll

Vorderkaiserfelden-Hütte | Kufstein, Österreich

„Es kommt so, wie es kommen soll.“ Wie oft habe ich diesen Spruch von meinem Mann gehört. Und wie oft habe ich die Augen verdreht bei dieser abgehalfterten Wahrheit. Heute schmunzle ich oft, wenn ich an seine Worte und liebevoll an ihn denke. Denn natürlich hatte er Recht. Es kommt immer so, wie es kommen soll. Die Welt liegt mit all ihrer Fülle vor uns. Wir entscheiden, was wir davon sehen wollen. Und in manchen, ganz besonderen Momenten, bekommen wir ein Geschenk, das in der Situation genau das richtige für uns ist.

Vorderkaiserfelden Hütte am 2. April 2016

Vor eineinhalb Jahren habe ich genau so ein Geschenk in den Bergen bekommen. An einem April Wochenende zu Anfang der Wander-Saison – am 2. April 2016. Ich hatte Berg-Sehnsucht. Nachdem keiner meiner Freunde Zeit hatte, beschloss ich alleine los zu fahren. Bewegung, tief atmen, den Kopf frei bekommen und einfach nur mitten in der Natur sein – mein Paradis müsste definitiv Berge haben! Nachdem ich nicht groß denken und neue Wege finden wollte, sollte es mal wieder die Vorderkaiserfelden Hütte bei Kufstein sein. Eine meiner Lieblingshütten mit einem prächtigen Ausblick über das gesamte Inntal, den Wilden Kaiser und die Zillertaler Alpen. Lange hatte die Hütte das Gütesiegel „So schmecken die Berge“. Genussvoll konnte ich mir die vermeintlich abtrainierten Kalorien daher gleich wieder mit köstlichem Essen drauf futtern.

Ausblick im Sommer vom Liegestuhl

Meist trifft man nette und entspannte Menschen in den Bergen. Denn die Natur tut offensichtlich allen gut. Ich war gar nicht auf Gespräche oder Austausch aus. Gut gelaunt genoss ich das alleine Sein und meinen Apfelstrudel. Beim Herausgehen aus der Hütte traf ich jedoch auf das offene und strahlende Lächeln eines Mannes, der mir den Vortritt ließ.

Offensichtlich bevorzugte er wie ich eine der etwas zurück gesetzten Bänke, denn er nahm mit seinem Kaffe und dem Apfelstrudel an einem benachbarten Tisch Platz. Noch nie habe ich bei einem unbekannten Menschen so freundliche Augen und ein warm strahlendes Herz gespürt. Ein Gefühl das nahezu greifbar war. Über den Apfelstrudel kamen wir ein bisschen ins Gespräch. Wir waren beide alleine aus München gestartet, weil keiner unserer Freunde Zeit für die Berge hatte. Er genoss seinen Kaffee und strahlte eine unglaublich angenehme Ruhe aus. Immer wieder breitete er seine Karte aus, um den weiteren Weg zu suchen. Verwundert und belustigt betrachtete ich ihn, als er seinen Rucksack auf den Kopf stellte und ihn immer wieder ein- und auszuräumen schien. Während er an dem Tag noch einen Gipfel erobern wollte, zog es mich hinab zu Kaffee und Kuchen bei Freunden in Kiefersfelden.

Er musste weiter. Doch bevor er ging, kam er an meinen Tisch. Hastig legte er mir seine leicht zerknickte Visitenkarte auf den Tisch. Diese musste er vorher aus seinem Rucksack gewühlt haben. Falls ich mal spontan Lust auf die Berge hätte und keine Begleitung dazu, könne ich mich ja bei ihm melden. Ein wenig schüchtern, sagte er mir noch seinen Namen. Dann drehte er sich ganz schnell um und ging seinen Weg weiter.

Ganz schnell passierte all das. Viel zu schnell, als dass ich darauf hätte adäquat reagieren können. Ich sah ihm nach und griff schnell nach der Karte. Nicht dass der Wind sie noch wegtragen würde. Wie ein wertvoller Schatz lag sie in meinen Händen. Behutsam steckte ich sie in meine Brieftasche. Dort war sie sicher aufgehoben. Denn mir war klar, dass dies der Beginn einer wunderbaren Bergfreundschaft würde.

Blick von oben ins Tal

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