In den Tiefen des Kellers

In den vergangenen Wochen bin ich wieder ein bisschen abgetaucht. Im Keller verschwunden. Tatsächlich im Keller versunken. Ich habe mein Büro aufgelöst und nach Hause ins Home Office umgezogen. Tatsächlich ein Kraftakt – körperlich wie auch emotional. Körperlich, weil ich eine Meisterin des Stapelns, gut Verstauens und Aufräumens bin. Wenn ihr dieses Gefühl kennt und mehr wissen wollt, lest einfach weiter.

Ordnung und Aufräumen klingt ja grundsätzlich gar nicht schlecht. Nur doof, wenn man all die Stapel auflösen und umziehen muss. Denn dabei habe ich festgestellt, wie unglaublich viel ich angesammelt habe. Dabei hatte ich mir immer vorgemacht, dass ich kein Eichhörnchen bin und Dinge rotte. Mein Fehler ist – ich kann nicht wegschmeißen. Es schmerzt mich geradezu, Dinge in den Müll zu werfen, die noch gut sind, funktionieren und  andere Menschen brauchen können. Wenn man umzieht merkt man wieder, wie viel wir haben. Und in welchem Überfluss wir leben. Wie glücklich wir uns schätzen dürfen, von allem sogar zu viel zu haben. Also habe ich angefangen, Dinge zu verschenken. Freunde zu fragen, ob sie etwas von all meinen Sachen brauchen können, ob sie schöne Ecken für weitere Bilder finden, ob sie altes Geschirr möchten, ob sie Möbel nutzen können ….
Viele hübsche Dinge habe ich so untergebracht, was mich ganz glücklich macht. Andere habe ich zu Oxfam gegeben. Eine tolle Organisation finde ich. Genau wie die Tatsache, dass dort viele ehrenamtlich arbeiten, um über unseren Überfluss Menschen dran teilhaben zu lassen ein bisschen Unterstützung zu bekommen.
Von vielem habe ich mich „einfach“ getrennt. Gar nicht einfach, weil oftmals Geschichten, Erlebnisse oder Gedanken damit verknüpft waren. Nur: Die Geschichten bleiben ja auch weiter in mir bestehen.

Wenn man keinen neuen Platz schafft, kann auch nichts neues passieren. Also habe ich mein Büro zum vereinbarten Zeitpunkt übergeben und bin nach Hause umgezogen. Hier habe ich drei kleine, harmlos aussehende Kästchen stehen. Auch diese sind voll bis oben hin – gut gestapelt und gut sortiert. Seit 2-3 Tagen sitze ich nun an diesen. Um sie leer zu bekommen, mich zu entscheiden, was darf bleiben, was darf gehen und dann endlich befreit meinen neuen Rhythmus anzufangen.

Den Rhythmus gibt es schon. Das Arbeiten aus dem Home Office auch. und in 1-2 Wochen wird der Raum an sich dann auch hübsch aussehen, sodass ich noch lieber im Home Office arbeite und meinen Blick nicht begrenzen und fokussieren muss, um mich von dem Chaos zu befreien. Im Home Office sitze ich nicht im Schlafanzug am Schreibtisch. Viele haben mich davor gewarnt. Ich möchte mich auch für mich hübsch anziehen, wohl fühlen und „fertig“ aussehen. Der einzige Unterschied zum Büro ist: Ich laufe barfuß durch die Wohnung und ins Home Office. Das ist mein kleinen Luxus im Sommer, den ich sehr genieße. Ansonsten wird sich mein neuer Arbeitsplatz wieder neu einspielen, der Rhythmus vielleicht ein bisschen anders werden. Ein bisschen befreiter von all den nutzlosen Dingen, die im Keller vor sich hin gammelten und einen schlechten Muff-Geruch verbreiteten, fühle ich mich jetzt schon.

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